Geschichte

Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Kipfenberg

 

Die Feuerwehr Kipfenberg gehört zu den ältesten freiwilligen Feuerwehren des Landkreises Eichstätt. Nur die Feuerwehr Eichstätt mit ihrem Gründungsjahr 1863 ist älter. Dass dies mit der Stellung Kipfenbergs als Behördenmittelpunkt in jener Zeit, mit dem Sitz eines Landgerichtes und eines Königlichen Rentamtes und der daraus resultierenden Vorbildfunktion für die umliegenden Ortschaften zusammenhängt, ist zu vermuten, aus den Unterlagen jedoch nicht zu beweisen.

 

1. Die Gründung im Jahre 1869

Aus dem Gründungsjahr 1869 besitzt die Feuerwehr Kipfenberg 3 Urkunden: Das Protokoll der 1. Generalversammlung vom 24. Juli 1869, die Niederschrift des Auflösungsbeschlusses der Gesellschaft Erheiterung vom 24. Juli 1869 und das Schreiben des Königlichen Bezirksamtes Eichstätt vom 30. Juli 1869.

Aus den Aufzeichnungen, die sich der Buchbinder Josef Merkl, der damalige Vorstand, anlässlich der Feier des 25-jährigen Bestehens der Feuerwehr Kipfenberg am 4. August 1895 für seine Ansprache machte, geht hervor, dass die Gründung dieser Feuerwehr auf das Betreiben der Gesellschaft Erheiterung erfolgte. Diese Gesellschaft war „eine Vereinigung von jungen Männern, die sich zur Aufgabe machten, ihre freien Stunden durch Musik, Gesang, Frohsinn und Heiterkeit zu verkürzen“. Merkl schreibt weiter: „In eben dieser Gesellschaft dürfte zuerst der Gedanke aufgekommen sein, eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Es wurden einzelne Mitglieder bestimmt, sich mit dem Bürgermeister und der Gemeindeverwaltung ins Benehmen zu setzen, sodann wurden die männlichen Bewohner über 18 Jahre zu einer Versammlung im Engel einberufen, hier wurden in das Comite gewählt, welche die Organisation der Feuerwehr, die Ausarbeitung der Satzungen in die Hand nahmen.

Dieses Comite bestand aus folgenden Herren: Amon Josef, Schmiedemeister; Pouchner Heinrich, Königlicher Rentbeamter; Gmeiner Josef, Apotheker; Dollinger Johann, Schlossermeister; Pritz, II. Lehrer; Schnitzlein, Königlicher Oberförster und Merkl junior.

Am 24. Juli waren die Vorarbeiten beendet, die Statuen entworfen, das Comite berief nun eine Versammlung ein…“ Nach Merkls weiteren Ausführungen soll diese Versammlung am 1. August 1869 stattgefunden haben, doch das Protokoll der Generalversammlung trägt das Datum vom 24. Juli 1869.

„Nachdem die Satzungen verlesen, wurde von dem Vorsitzenden, Königlichen Rentbeamten, Herrn Pouchner zum Beitritt aufgefordert, und eine Liste zur Einzeichnung aufgelegt. Nach einer Aufforderung des damaligen Vorstandes der Gesellschaft Erheiterung löste sich dieser Verein auf und sämtliche Mitglieder circa 30 an der Zahl traten der Feuerwehr als aktive Mitglieder bei…“

Die Auflösungserklärung der Gesellschaft Erheiterung ist erhalten. In ihr wird bestimmt, dass das Vereinsvermögen in Höhe von 10 Gulden der Turnerfeuerwehr Kipfenberg zur beliebigen Verfügung überwiesen werden soll. Von den Namen der 22 Unterzeichner finden sich allerdings nur 8 als aktive Mitglieder in den Stammlistenbüchern der FF Kipfenberg wieder und nur 5 darunter als Gründungsmitglieder.

„Sofort wurde zur Wahl des Verwaltungsrates geschritten und zwar aufgrund der vorliegenden Statuten. Aus der Wahl und zwar per Akklamation gingen hervor:

 

Als 1. Vorstand:                                              Gmeiner Josef, Apotheker

Als 1. Hauptmann:                                           Sayle Alois, Bürgermeister und Kaminkehrer

Als 1. Adjutant:                                               Gollwitzer

Als 1. Turnwart:                                              Flechtner, Rentamtsoberschreiber

Als 1. Zeugwart:                                              Amon Michael

Der erste Rottenführer der Steiger:                   Müller Sebastian, Maurersohn

Der erste Rottenführer der Retter:                    Fischer Max

Der erste Rottenführer der Marktspritze:          Amon Josef, Schmiedemeister

Der erste Rottenführer der Distriktspritze:        Dollinger, Schlossermeister

Der erste Rottenführer der kleinen Spritze:       Merkl Josef

Zu Vertrauensmännern wurden gewählt:           Königlicher Oberförster Schnitzlein

II. Lehrer Pritz

 

Die Wahl war beendet und somit die Gründung der freiwilligen Feuerwehr Kipfenberg vollzogen.“

In Abweichung zu diesen Aufzeichnungen Merkls fehlen in dem Protokoll der Gründungsversammlung die Posten des Turnwarts und des Zeugwarts und an Stelle des Vertrauensmannes Herrn Pouchner ist darin Herr Dollinger genannt. Bezüglich der Wahl der Rottenführer heißt es im Protokoll vom 24. Juli 1869: „In der heutigen Generalversammlung wurde einstimmig beschlossen, dass sofort heute noch zur Wahl des Vorstandes, des Hauptmannes, des Adjutanten und der drei Vertrauensmänner geschritten werden soll, während die Wahl der Führer von der Steiger-, Retter- und der Löschmannschaft ausgesetzt zu bleiben habe, bis die Rotten der verschiedenen Abteilungen gebildet sind.“ Es ist also wohl davon auszugehen, dass nach der Generalversammlung vom 24. Juli 1869 eine weitere Versammlung am 1. August 1869 stattgefunden hat, auf der die Rottenführer, der Turnwart und der Zeugwart gewählt wurden.

Von den 43 Unterzeichnern des Generalversammlungsprotokolls finden sich nur sechs als Gründungsmitglieder in den Stammlistenbüchern der aktiven Feuerwehrmitglieder wieder, von den gewählten Chargen sind nur die Namen Fischer, Gmeiner und Merkl darin verzeichnet. Dies ist dadurch zu erklären, dass das erste Stammlistenbuch, wie aus dem Registratur-Verzeichnis des 1874 angelegten Inventarverzeichnisses hervorgeht, am 23. Dezember 1879 angelegt wurde. Die früher eingetretenen Mitglieder hat man wohl nur dann in das Stammlistenbuch aufgenommen, wenn sie 1879 noch im aktiven Feuerwehrdienst standen. Die 1895 vorgenommenen Ehrungen stimmen jedoch mit den Eintragungen im ersten Stammlistenbuch präzise überein. Nach den Aufzeichnungen Merkls sollen bei der Gründung der Feuerwehr Kipfenberg etwa 60 aktive und 30 passive Mitglieder eingetreten sein, im Stammlistenbuch sind jedoch nur 17 aktive Gründungsmitglieder verzeichnet. Dass man um die Unsicherheit und Unvollständigkeit der frühen Eintragungen in das erste Stammlistenbuch wusste, geht auch aus einem Eintrag im Circularbuch vom Dezember 1885 hervor. Dort heißt es in der Einladung zur Monatsversammlung am 20. Dezember 1885 im Gastzimmer Donaubauer: „Mitglieder mit Aufnahmeurkunden vom 1. August 1869 bis 1870 sollen diese mitbringen.“

Die obrigkeitliche Anerkennung erhielt die Feuerwehr Kipfenberg durch das Schreiben des Königlichen Bezirksamtes Eichstätt vom 30. Juli 1869 an den Marktgemeinde-Vorstand in Kipfenberg. Darin heißt es: „…‚ dass das K. Bezirksamt dem Zustandekommen des Vereins die vollste Anerkennung zolle und ganz dem Unternehmen jedmögliche Unterstützung zusichere. Zugleich ist dem Ausschusse zu eröffnen, dass ihm die polizeiliche Genehmigung zur Vornahme einer Sammlung freiwilliger Beiträge im Markte Kipfenberg hiermit erteilt werde.“

Zur weiteren Gründungsgeschichte führt Merkl in seinen Aufzeichnungen aus: „Nunmehr begannen die Arbeiten der jungen Turnerfeuerwehr Kipfenberg. Die Gemeinde errichtete einen Turnplatz, welcher fleißig von der jüngeren Mannschaft besucht wurde. Die Feuerwehr veranstaltete eine Sammlung, deren Ertrag zum Ankauf … verwendet wurde.“ Dass sich die neu gegründete Feuerwehr zunächst „Turnerfeuerwehr“ nannte und auf einem „Turnplatz“ ihre Übungen abhielt, ist wohl auf den Zeitgeist jener Jahre, die sich ausbreitende Turnbewegung, zurückzuführen. Indem im November 1874 angelegten Inventarverzeichnis sind auch die im September 1869 bereits vorhandenen Turngeräte aufgeführt. Es waren 2 Turnseile, 1 Kletterseil und 1 Hochsprungseil. Die Einkünfte aus der durchgeführten Sammlung sind nicht bekannt, da nach Merkls Aufzeichnungen jede Aufschreibung von Einnahmen aus der Zeit vom 1. August 1869 bis 24. Juli 1873 fehlt, doch muss es ein erheblicher Betrag gewesen sein, denn wie aus oben genanntem Inventarverzeichnis hervorgeht, wurden 1869 bereits 258 Gulden ausgegeben. Dafür wurden mehrere Leitern, unter anderen eine Schubleiter für 88 Gulden, 12 Ausrüstungen für Steiger (Gurt, Beil und Seil) für 132 Gulden, 2 Dachhaken und eine einfarbige Joppe (wohl für den Adjutanten) angeschafft. Die zweifarbige Joppe des Kommandanten wurde vom Bürgermeister und 1. Kommandanten Sayle selbst bezahlt und nach dessen Ausscheiden aus der Feuerwehr, dieser zur Benutzung überlassen. Auch bei den 1869 angeschafften 49 Lederhelmen — ein Hinweis auf die Stärke der Feuerwehr im Gründungsjahr und die Unvollständigkeit des Stammlistenbuches – fehlt eine Preisangabe, möglicherweise wurden sie von den aktiven Feuerwehrmännern selbst bezahlt. Später wurden 20 dieser Helme an die Feuerwehr Arnsberg für jeweils 50 Pfennig verkauft und 9 an die Feuerwehr Haunstetten abgegeben.

 

2. Die ersten 25 Jahre

2.1. Die Ausrüstung der Feuerwehr Kipfenberg

Aus der oben erwähnten, 1874 angelegten Inventarliste geht hervor, dass im Markt Kipfenberg bereits vor 1869 drei Druckspritzen vorhanden waren, zwei vierrädrige Spritzen, von denen eine im Jahre 1895 an die FF Grösdorf abgegeben wurde und eine zweirädrige Druckspritze zum Abprotzen, die Kipfenberg von der Münchener Mobiliar Feuerversicherungsgesellschaft zum Geschenk erhalten hatte. Im Jahre 1869 wurden dann mehrere Leitern und persönliche Ausrüstungen der Feuerwehrmänner angeschafft. 1871 kaufte man 3 Signalhörner von der Feuerwehr Thalmässing und versah sie mit Schnüren und Quasten. Auch ein Flügelhorn wurde an geschafft. Seit 1872 ist die Feuerwehr Kipfenberg im Besitz eines Siegels. Ein Jahr später ließ man bei Wagnermeister Brandstetter und Schmiedemeister Amon für 36 Gulden einen Requisitenwagen bauen und schaffte mehrere Laternen an. Im gleichen Jahr erhielt die Feuerwehr Kipfenberg 10 hänferne Feuereimer vom Bezirksamtmann Schweigkart zum Geschenk, von denen 2 beim Brand am 23. Februar 1874, bei dem zwei Häuser auf dem Marktplatz (heute Hotel Hannemann) zerstört wurden, abhanden kamen. Dieser Brand dürfte wohl auch der Auslöser für den Kauf einer neuen vierrädrigen Saug- und Druckspritze gewesen sein, die am 22. August 1874 für 1600 Gulden = 2742,87 Mark inklusive Zubehör von der Gemeinde angeschafft wurde. Dass diese „Drucksaugmaschine bei Bränden im Altmühlthale“ auch aus der Ortschaft Kipfenberg zu „ausgiebiger Hilfeleistung hinaus gefahren werden darf“, wurde in einem eigenen Gemeindebeschluss vom 6. Mai 1880 festgelegt.

Im Oktober 1879 erhielt die Feuerwehr Kipfenberg eine weitere zweirädrige Druckspritze zum Abprotzen mit 22 m Schläuchen, einem Standrohr und 2 Schraubenschlüsseln von der München – Aachener Mobiliar Feuerversicherungsgesellschaft zum Geschenk. Wie aus dem Circularbuch hervorgeht, wurde diese neue Spritze am 26. Oktober 1879 im Rahmen einer Übung ausprobiert. Eine weitere Übung mit den Abprotzspritzen 1 und 2 ist für den 26. September 1880 erwähnt.

Die persönliche Ausrüstung für die Feuerwehrmänner wurde nach und nach ergänzt und verbessert. 1875 wurden die ersten zwei Messinghelme angeschafft, ab 1877 wurde die ganze Mannschaft damit ausgerüstet. Schutzanzüge für Übung und Brandeinsatz gab es noch nicht. In einer Plenarversammlung vom 13. Februar 1889 wurde über die Anschaffung gleichmäßiger Uniform beraten. Ausgaben für Uniformen wurden aber in den Inventarbüchern keine verzeichnet.

Die Feuerwehr Kipfenberg schaffte Schläuche und Zubehör zu den Spritzen an und erwarb an größerem Gerät durch Eigenmittel, die hauptsächlich aus den Beiträgen der passiven Mitglieder, dem Erlös von Veranstaltungen und Spenden stammten, im Jahr 1879 einen Requisitenwagen für die Rettermannschaft um 155 Mark, 1884 eine fahrbare Schlauchhaspel zu 250 Mark und 1887 eine mechanische Schubleiter, die 368,60 Mark kostete. Insgesamt gab die Feuerwehr Kipfenberg in den ersten 25 Jahren 2454,72 Mark für Ausrüstungsgegenstände an Eigenmitteln aus.

Die Gemeinde wendete im gleichen Zeitraum für das Feuerlöschwesen 3892,87 Mark auf. Dies war der Preis für zwei von der Gemeinde gekaufte Feuerspritzen, von denen die eine, 1874 angeschaffte, wie oben erwähnt 2742,87 Mark kostete und die neue Saug- und Druckspritze, die am 10. Mai 1892 durch die Gemeindeverwaltung übergeben wurde, mit 1150 Mark bezahlt werden musste.

 

2.2. Übungen und Brandeinsätze

Über die Tätigkeit der Feuerwehr Kipfenberg unter ihrem ersten Kommandanten Alois Sayle sind keinerlei Aufzeichnungen vorhanden. Erst mit der Wahl von Josef Merkl zum Kommandanten am 19. Juli 1873 begann die Feuerwehr ein umfangreiches Schriftwesen zu führen. So wurden laut Registraturverzeichnis, das sich im 1874 angelegten Inventarverzeichnis findet, im Jahre 1873 ein Sitzungs- und Beschlussbuch, ein Kassenbuch und ein Verzeichnis der aktiven Mitglieder und der abgehaltenen Übungen angelegt. Erhalten sind uns aus der Frühzeit der Kipfenberger Feuerwehr außer dem bereits erwähnten Inventarverzeichnis aber nur 2 Circularbücher mit dem Verzeichnis der passiven Mitglieder und das am 23. Dezember 1879 angelegte Stammlistenbuch. Aus den Circularbüchern, Sammlungen von Einladungen zu Feuerwehrveranstaltungen an die Mitglieder, lassen sich die Abhaltung von Übungen und das Vereinsleben rekonstruieren, sie enthalten jedoch keine Angaben über Brandeinsätze. Das erste Circularbuch beginnt mit einer Einladung zur Übung am 13. Juli 1875 und endet mit einer Einladung zur Monatsversammlung am 10. Dezember 1882, das zweite Circularbuch beginnt mit einer Einladung zur Übung an der Saug- und Druckspritze am 15. April 1883 und endet mit einer Einladung zur Fron am 10. Juni 1906, wobei jedoch die Eintragungen ab 1902 sehr spärlich werden. Für die Jahre 1903 bis 1906 finden sich gerade noch 8 Eintragungen.

Nach den Aufzeichnungen Merkls wurde die Feuerwehr Kipfenberg in den ersten Jahren zu 32 Bränden gerufen. Davon waren 10 im Orte selbst und 22 innerhalb des Distriktes. Er schreibt weiter: „Hier selbst waren es 5 Großfeuer, welche die Tätigkeit der Feuerwehr in Anspruch nahmen.“ Um welche Brände es sich dabei handelte, ist in den Unterlagen der Feuerwehr nicht überliefert. Auch die Zusammenstellung der Brandeinsätze durch den Altkommandanten Jakob Semmler anläßlich des 100-jährigen Feuerwehrjubiläums 1969 erwähnt für diesen Zeitraum nur den Brand zweier Häuser in den 80-er Jahren, Haus Allio und Haus Niederreuther, womit wohl der bereits genannte Brand vom 23. Februar 1874 gemeint ist. Durch dieses Unglück für die Brandgefahren sensibilisiert, wurde, wie bereits unter 2.1. erwähnt, noch im gleichen Jahre eine neue Feuerspritze angeschafft und eine erste Feuerlöschordnung für die Marktgemeinde Kipfenberg am 20. Dezember 1874 von der Gemeindeverwaltung erlassen. Erst ein Jahr darauf erließ das Königliche Bezirksamt Eichstätt für sämtliche Gemeinden des Amtsbezirkes eine Feuerlöschordnung, die in allen wesentlichen Punkten mit der bereits in Kipfenberg vorhandenen Verordnung übereinstimmte.

Bezüglich der Übungen heißt es in Merkls Aufzeichnungen: „Vom 26. Juli 1873 ab wurden an die Mitglieder 429 Circulare und Einladungen erlassen, darunter 174 zu Übungen und 255 zu Veranstaltungen.“ Die Einladung zu 156 Übungen kann aus den Circularbüchern nachgewiesen werden. Da einige dieser Übungen, wie durch Randnotizen vermerkt wurde, ausgefallen sind, kann man sagen, dass jährlich durchschnittlich 6 Übungen stattfanden, die sich auf die Monate April bis November verteilten. Die Übungen unterteilten sich in Spezialübungen für die einzelnen Rotten der Steiger-, Retter- und Spritzenmannschaften, in Übungen für sämtliche Mannschaften und in Hauptübungen, teilweise unter Beziehung der Nachbarortschaften. Die Hauptübungen fanden meist im Zusammenhang mit der Tagung des Ausschusses des Bezirksfeuerwehrverbandes statt.

Sammelplatz für die Übungen war häufig der Hof des Amtsgerichtes. Am 29. August 1886 wurde ein neues Feuerhaus übergeben, das bis 1961 in Diensten stand.

Während der Christmette wurde von Feuerwehrmännern, die sich vorher zu diesem Dienst eingetragen hatten, eine Feuerwache gehalten (von 1875 bis 1888 und dann wieder ab 1899 belegt). Diese Wachmannschaft traf sich meist in einer Gastwirtschaft und sprach auch, wie aus Rechnungen hervorgeht, teilweise dem Biere eifrig zu.

 

2.3. Das Vereinsleben und die Beteiligung der Feuerwehr am gesellschaftlichen Leben

Nach Merkls Aufzeichnungen ergingen in den ersten 25 Jahren 255 Einladungen zu Veranstaltungen. Der Natur der Sache entsprechend bezog sich die überwiegende Zahl auf vereinsinterne Versammlungen: Besprechungen der Ausschussmitglieder, Monats- und Generalversammlungen. Für 1877 ist ein Ball erwähnt, Tanzveranstaltungen wurden mehrere abgehalten. Die Mitglieder Michael Semmler, Adalbert Auer, Carl Reitzer und Josef Jobst luden die Feuerwehrkameraden zu ihrer Hochzeit ein. Zur Beteiligung an der Beerdigung von 17 Feuerwehrmitgliedern wurde aufgerufen, meist war jedoch die Zahl der Teilnehmer aus den Reihen der Feuerwehr bei Beerdigungen recht gering, wie aus einer Bemerkung in einem dieser Aufrufe hervorgeht.

Am 3. August 1879 wurde anlässlich des zehnjährigen Gründungsjubiläums ein Stiftungsfest mit Schulübung, Musik im Biergarten und Tanz abgehalten. Am 7. Oktober 1888 wurden Ehrendiplome für 15-jährige Mitgliedschaft verteilt, die Namen der Geehrten sind jedoch nicht überliefert.

Die Feuerwehr Kipfenberg war von Anfang an in das gesellschaftliche Leben und das der anderen Vereine mit einbezogen. So beteiligte man sich an der Fahnenweihe des Kriegervereins Kipfenberg am 23. Juni 1878 und nahm an dessen Sedanfeiern, die 1878 und 1879 abgehalten wurden, teil, wie aus dem Circularbuch zu entnehmen ist. Auch zu den benachbarten Feuerwehren pflegte man freundschaftliche Beziehungen, wie aus der Beteiligung an der Fahnenweihe der Feuerwehr Kinding am 20. Juni 1875 ersichtlich ist.

Anlässlich des Geburts- und Namensfestes von König Ludwig II. veranstaltete die Schützengesellschaft in den Jahren 1875 bis 1879 jeweils am 25. August Feiern mit Preisschießen, Gartenfest, Musik und Tanz im Böllschen Keller, zu denen die Feuerwehr eingeladen wurde. Die Festgottesdienste und Kirchenparaden anlässlich dieser Feiern in den Jahren 1880 bis 1884 scheinen weniger beliebt gewesen zu sein, denn in den Jahren 1881 und 1884 fanden diese Paraden nicht statt „wegen nicht Erscheinens genügender Zahl von Mitgliedern“. Deshalb hat man es auch 1885 mit einer Vorfeier des Festes am vorausgehenden Sonntag bewenden lassen, Zu Ehren des Prinzregenten Luitpold wurden an seinem Namenstage, dem 1. November, Paraden zum Gottesdienst in den Jahren 1890 und 1891 veranstaltet, ebenso anlässlich seines 70. und 80. Geburtstages am 12. März 1891 bzw. 1901.

Zu Ehren des Bischofs von Eichstätt, der in den Jahren 1884 bis 1894 im Turnus von zwei Jahren Kipfenberg besuchte, wurden jeweils von der Feuerwehr abendliche Fackelzüge abgehalten. Auch an den Fronleichnamsprozessionen beteiligte man sich in der Regel, wie dies auch heute noch üblich ist.

 

3. Die Zeit von 1895-1957 – Sporadische Aufzeichnungen

3.1. Die Zeit vor dem ersten Weltkrieg

3.1.1. Die Ausrüstung blieb auf dem alten Stand

Die im November 1874 begonnene Inventarliste (siehe 2.1.) enthält alle bis 1897 angeschafften Ausrüstungsgegenstände. Aus den Jahren 1903 mit 1907 und 1910 mit 1913 sind uns die Kassentagebücher erhalten. Außerdem liegt ein statistischer Bericht an den Bayerischen Landes-Feuerwehr-Verband vom 15. Januar 1913 vor, aus dem der Stand der Feuerwehr Kipfenberg bezüglich ihrer Ausrüstung zum 31. Dezember 1912 hervorgeht.

Aus diesen Quellen lässt sieh erschließen, dass zwischen 1895 und 1914 kein größeres Gerät angeschafft wurde, die Feuerwehrmannschaft aber zwischenzeitlich mit Uniformröcken ausgestattet wurde. Das Inventarbuch verzeichnet nach 1895 nur noch Ausgaben für 10 Messinghelme, einen Steiger- und einen Chargengurt, eine Laterne und 50 Meter Schlauch. Die häufigste Ausgabe in den erwähnten Kassenberichten ist die für Stearinkerzen für die Laternen, die man bei Kaufmann Roemisch, der ab 1895 auch Zugführer der Saugspritze war, kaufte. Die Ausgaben für die Ausrüstung beschränkten sieh auf Reparaturen, etwa bei Sattler Reigl oder den Schreinermeistern Mayer und Walthierer.

Der statistische Bericht an den Landes-Feuerwehr-Verband mit Stand vom 31. 12. 1912 weist als Inventar neben 14 weiteren Leitern eine mechanische Drehleiter mit 18 Meter Höhe auf. Dies ist die 1887 angeschaffte mechanische Schubleiter. An Löschgeräten werden eine Saug- und Druckspritze (angeschafft 1892-siehe 2.1.) und zwei Spritzen ohne Saugwerk (von der Münchener-Mobiliar-Feuerversicherungsgesellschaft) erwähnt, nachdem die anderen alten Spritzen unbrauchbar geworden und verschrottet, bzw. eine Spritze 1895 an die FF Grösdorf abgegeben worden waren. Die fahrbare Schlauchhaspel (angeschafft 1884), vier von Wagnermeister Brandstetter 1875 gefertigte tragbare Schlauchhaspeln und 2 Hydranten werden als weitere Löschgeräte genannt, nachdem Kipfenberg im Jahre 1904 eine Wasserleitung erhalten hatte, deren höchster Wasserdruck mit 15 Atmosphären angegeben wurde, und sich im Ortsbereich 27 Unterflurhydranten befanden. An Schlauchmaterial werden 300 Meter rohe Hanfschläuche mit 30 Paar Normalgewinde, 5 Meter gummierte Hanfschläuche, 6 Meter Saugschläuche, ein Gabelstück und drei Strahlrohre genannt. An sonstigem Rettungsgerät werden noch zwei Feuerhaken, die bereits 1869 gekauft wurden und ein Rauchschwamm (1880 wurden zwei gekauft) aufgezählt. Auch eine Sanitätstasche, 1888 mit 16,25 Mark bezahlt, und eine Sanitätsbahre waren vorhanden.

Die Feuermeldung erfolgte durch Signalhörner und Läuten der Kirchenglocken, eine elektrische Feuermeldeanlage war nicht vorhanden, leicht verständlich, wenn man weiß, das Kipfenberg erst 1921 an die Stromversorgung angeschlossen wurde. Drei Signalhörner und fünf Signalhupen gehörten zum Inventar.

An Uniformen und Mannschafts-Ausrüstungen werden für die am 31.12.1912 im aktiven Feuerwehrdienst stehenden 71 Mitglieder 71 Uniformröcke, 71 Mützen und 71 Messinghelme aufgezählt, Gurte für die Chargen, die Steiger- und die Spritzen- und Ordnungsmannschaft waren 77 vorhanden, 24 Signalpfeifen und 20 Mannschaftslaternen standen zur Verfügung.

Die Ausrüstung war in einem Feuerhaus entsprechend den Anforderungen untergebracht, ein Schlauchtrockenturm war vorhanden.

Die Einnahmen der Feuerwehr setzten sich hauptsächlich aus den Beiträgen der passiven Mitglieder, die in jener Zeit zwischen 20 und 40 Mark jährlich einbrachten, und einem Zuschuss der Gemeinde von 25 Mark im Jahr zusammen. Außerdem soll die Feuerwehr Kipfenberg nach dem statistischen Bericht zum 31. 12.1912 im Jahre 1908 eine Unterstützung aus Kreismitteln in Höhe von 25 Mark und im Jahre 1910 aus Distriktsmitteln 35 Mark erhalten haben. In den Kassenberichten sind diese Einnahmen jedoch nicht verzeichnet, auch die Ausgaben für das Feuerlöschwesen in den Kassentagebüchern 1910 bis 1913 stimmen nicht mit den Angaben des Berichts an den Landes-Feuerwehr-Verband überein.

 

3.1.2. Übungen und Brandeinsätze – Kontinuität im Einsatztür die Allgemeinheit

Im zweiten erhaltenen Circularbuch finden sich für die Zeit von 1895 bis 1906 an Einladungen: 29 zu Übungen, 42 zu Veranstaltungen, 9 zu Beerdigungen von Mitgliedern. Im Jahre 1901 finden sich darin noch 3 zu Übungen, 1902 noch eine Einladung zur Übung, für die folgenden Jahre sind keine Übungen mehr im Circularbuch verzeichnet. Daraus ist aber nicht zu schließen, dass in diesen Jahren keine Übungen abgehalten wurden. Der bereits mehrfach zitierte statistische Bericht gibt für die Jahre 1908 bis 1912 jeweils sechs jährliche Übungen an und von dieser Übungshäufigkeit ist wohl auch für die Jahre davor auszugehen. Aus der gleichen Quelle geht hervor, dass der Königliche Hofrat Dr. Bauer der Feuerwehrmannschaft einmal im Jahr Sanitätsunterricht erteilte.

An Dienstbüchern sollen zu dieser Zeit laut Aufstellung in dem erwähnten Bericht neben dem Kassenbuch ein Inventarbuch, ein Protokollbuch und eine Chronik geführt worden sein. Mit Ausnahme einiger Kassenbücher ist dieses Schriftwesen aber nicht erhalten. Deshalb wissen wir auch wenig über die Einsätze der Feuerwehr Kipfenberg. Im Jahre 1909 soll sie zu einem Brand und einer sonstigen Hilfeleistung, die nicht näher bezeichnet ist, gerufen worden sein, im Jahre 1912 zu zwei Bränden, wie wieder aus dem Bericht an den Landes-Feuerwehr-Verband hervor geht. Altkommandant Jakob Semmler erwähnt in seiner Zusammenstellung von Brandeinsätzen noch für das Jahr 1908 einen Waldbrand im Waldabteil Maisenhüll.

 

3.1.3. Das Vereinsleben – Die Zeit der Ehrungen beginnt

Wie aus den Eintragungen im zweiten Circularbuch hervorgeht, hielt die Feuerwehr außer ihren Versammlungen jeweils am zweiten Weihnachtsfeiertag „Christbaumfeiern“ ab und während des Faschings „Tanzkränzchen“. Wie auch heute noch leistete die Freiwillige Feuerwehr Kipfenberg Ordnerdienste bei kirchlichen und weltlichen Feiern, so etwa bei der Primiz des August Denzinger am 2. August 1896. Zu Ehren des Bischofs wurden bei seinem Besuch in Kipfenberg wie schon früher Fackelzüge abgehalten und anlässlich des 80. Geburtstages des Prinzregenten Luitpold am 12. März 1901 eine Kirchenparade veranstaltet.

Nach der Stiftung der Königlichen Ehrenzeichen für 25-jährigen aktiven Feuerwehrdienst und nachdem die Kipfenberger Feuerwehr in die Jahre gekommen war, nahmen jetzt die Ehrungen langjähriger Mitglieder einen größeren Raum ein. Die ersten Ehrenzeichen überreichte der Königliche Regierungsrat 1895 persönlich an die Gründungsmitglieder. In den folgenden Jahren wurden für 25- jährigen Dienst geehrt:

 

1896 Simpert Albrecht

1898 Martin Brandstetter

1899 Josef Amon, Johann Girbinger

1901 Xaver Eichiner Johann Mayer, Johann Schmid

1904 Anton Neubauer, Johann Schneider, Jakob Schuster

1905 Anton Allio, Josef Ermer

1906 Michael Amon

1911 Andreas Knogler, Carl Maier

1912 Johann Maier, Johann Schuster, Max Walthierer

1913 Eugen Mayer, Carl Schiekofer

1914 Karl Reitzer, Max Stang, Ludwig Widmann

Am 30. August 1912 wurde Heinrich Jahn, der von 1891 bis 1896 Kommandant und ab 15. Januar 1905 Vorstand war, für 40-jährigen Feuerwehrdienst ausgezeichnet.

 

3.2. Der erste Weltkrieg – Die Aufzeichnungen versiegen

Aus der Zeit des ersten Weltkrieges liegen keine Aufzeichnungen über das Wirken der Feuerwehr Kipfenberg vor, auch über Brände wird aus dieser Zeit nicht berichtet. Das Stammlistenbuch verzeichnet für den 6. Juni 1915 die Aufnahme von Karl Eichiner und für den 6. Mai 1917 die Aufnahmen von Max Eichinger, Emmeran Kunkel, Max Reitzer und Josef Werler, die aber alle wenige Monate nach der Aufnahme zum Kriegsdienst einrücken mussten.

 

3.3. Die Zeit zwischen den Weltkriegen – Eine starke und offensichtlich gut geschulte Mannschaft

3.3.1. Die Motorisierung der Ausrüstung

Aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen ist neben den Aufzeichnungen in den Stammlistenbüchern nur noch ein Maschinentagebuch mit Eintragungen aus der Zeit von 1930 bis 1935 vorhanden, sowie ein Prüfungsbericht über die Feuerwehrrevision vom 4.10.1937. In ersterem werden für das Jahr 1930 eine Reihe von Bedienern der Motorspritze genannt, unter anderen J. Amon, Appelsmayer, Brandstetter, L. Hartmann, Schuster und Wermuth. Ab 1931 ist dann Konrad Habermann als erster Maschinist verzeichnet.

Für den 15. Mai 1932 wird ein Einsatz der Motorspritze beim Brand bei Mayr (Sägewerk) erwähnt. Aus den Jahren 1934 und 1935 sind Probefahrten mit dem Feuerwehrauto aufgezeichnet, für den 5.Juli 1934 auch eine Fahrt zu einem Brand nach Gungolding. Aus einer Bildunterschrift zu einer Fotografie, die die Feuerwehrmannschaft vor ihrem Auto nach einem Brand in Pfalzpaint zeigt geht hervor, dass dieses Feuerwehrauto bereits 1931 in Diensten stand. Im Prüfungsbericht vom 4.10.1937 wird angeordnet, dass die polizeiliche Zulassung des Kraftfahrzeuges auf die Belastungshöhe zu prüfen ist. An der Handdruckspritze würden Beleuchtung und Rückstrahler fehlen, wird darin des Weiteren bemängelt. Aus diesen Quellen geht hervor, dass die Freiwillige Feuerwehr Kipfenberg seit Beginn der 30- er Jahre im Besitz einer Motorspritze und eines Feuerwehrautos war. Einen weiteren Einblick in die Ausrüstung jener Jahre gibt ein Foto, das einen Festzug der Feuerwehr über den Marktplatz zeigt.

 

3.3.2. Die Mannschaft und ihre Einsätze

Nachdem im ersten Weltkrieg praktisch keine Zugänge an Aktiven zur Feuerwehr Kipfenberg zu verzeichnen waren, traten ihr im Jahre 1919 neun neue Mitglieder bei, ein Trend, der so auch nach dem zweiten Weltkrieg zu verzeichnen war. 1920 und 1921 gab es dann nur noch zwei bzw. drei Neuzugänge, wie aus den Stammlistenbüchern hervorgeht. Zwischen 1922 und 1932 hatte man dann insgesamt 121 Neueintritte und allein 1933 eine Zahl von 19 Neuaufnahmen, Werte die später nie mehr erreicht wurden. Eine Aufnahmeurkunde aus dieser Zeit ist erhalten. 1938 waren dann nochmals 14 Neuaufnahmen zu verzeichnen. Man kann also sagen, dass Kipfenberg zu jener Zeit eine sehr starke aktive Mannschaft hatte, die wohl zahlreichste in ihrer Geschichte. Wenn auch keine Aufzeichnungen über Übungen vorliegen, so geht doch aus einer Urkunde hervor, die Kipfenberg als 1. Sieger im Landkreis Eichstätt im Leistungswettkampf der Freiwilligen Feuerwehren Bayerns ausweist, dass Kipfenberg in Bezug auf die Feuerwehr nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ sehr gut dastand.

Ihre Leistungsfähigkeit hatte die Feuerwehr jener Zeit auch in zahlreichen Einsätzen unter Beweis zu stellen. So wurde sie nach Aufzeichnungen von Altkommandant Jakob Semmler im Jahr 1919 zu einem Brand der Glasfabrik nach Grösdorf und zu einem Brand von sechs Scheunen nach Irfersdorf gerufen. 1922 war sie in Denkendorf bei einem Haus- und Stadelbrand im Löscheinsatz und in Kipfenberg im Sägewerk August Mayr. Hier brannte es nochmals 1924. 1927 brannte in Kipfenberg das Batzanwesen nieder und nach Pfahldorf wurde die Kipfenberger Wehr wegen eines Wohnhausbrandes gerufen. Weitere Brandeinsätze waren:

 

1930 Haus Förster Meyer und Scheune Hertl in Kipfenberg, Stall und Stadel in Riedelsdorf

1931 Haus in Pfahldorf

1932 Sägewerk Kipfenberg, Häuser in Enkering und Pfalzpaint

1933 Wohnhaus in Pfalzpaint, Wohnhaus in Kinding

1934 Haus und Stadel in Gelbelsee, Haus und Stadel in Walting

1935 Haus in Walting, Scheune in Altenberg, Waldbrand in Kipfenberg an der Ziegelleite

1936 Haus Bengl in Grösdorf, Haus Hutter Josef in Grösdorf

1940 Glasfabrik Grösdorf

 

3.3.3. Über das Vereinsleben kann man nur Vermutungen anstellen

Die einzige erhaltene Aufzeichnung, die auf ein Vereinsleben in der Zeit zwischen den Weltkriegen schließen lässt, ist ein Einladungszettel vom 25. Mai 1921, in dem Ludwig Widmann, Vorstand von 1918 bis 1927. den Herren Allio (Bürgermeister), Grimm, Herd und Werler mitteilt, dass sie laut Generalversammlungsbeschluss in das „Festkomite 50-jähriges Jubiläum der freiwilligen Feuerwehr Kipfenberg“ gewählt wurden und sie deshalb zu einer Zusammenkunft ins Nebenzimmer bei Herrn Hertl bestellt werden. Eine Feier zum 50-jährigen Bestehen der Feuerwehr Kipfenberg hat also wohl stattgefunden.

Aus den Aufzeichnungen der Stammlistenbücher lässt sich außerdem herauslesen, dass zwischen 1920 und 1934 insgesamt 29 Ehrenzeichen für 25-jährigen Feuerwehrdienst und 20 Ehrenurkunden für 40-jährige Mitgliedschaft verteilt wurden. Da für fast alle dieser Ehrungen das Auszeichnungsdatum aufgeschrieben ist, wird man annehmen dürfen, dass sie im Rahmen von Feiern oder Versammlungen vorgenommen wurden. Die letzte dieser Ehrungen fand am 23. September 1934 statt. Der Bader Max Meyer, der Schmied Ulrich Forster und der Schuhmachermeister Leonhard Bögelein wurden für 25-jährigen Dienst geehrt, Eduard Ruff, Josef Köchl und Anton Allio für 40-jährige Mitgliedschaft. Nach diesem Zeitpunkt kam wohl auch das eigenständige Vereinsleben der Feuerwehr zum Erliegen. Ehrungen für langjährigen Feuerwehrdienst wurden erst wieder 1949 vorgenommen.

 

3.4. Der zweite Weltkrieg – Peinliche Pflichterfüllung bis zuletzt

Ausgeprägter noch als im ersten, kamen während des zweiten Weltkriegs die Neuaufnahmen zum Erliegen. Nur für 1940 sind noch die Aufnahmen von Georg Neumeyer, Michael Nißler, Xaver Schneider und Johann Zeitler verzeichnet. Aus dem Jahre 1944 ist ein Übungsbuch erhalten. Zwischen dem 26. März 1944 und dem 8. Oktober 1944 wurden 16 Übungen unter dem Wehrführer Mayer abgehalten. Die Übungsberichte waren vom Bürgermeister gegenzuzeichnen. Den Übungen fern zubleiben wagte offensichtlich niemand, nur bei der letzten Übung am 8. Oktober 1944 fehlten 4 Feuerwehrmänner unentschuldigt, wohl ein Zeichen für den beginnenden Zerfall. Weitere Aufzeichnungen liegen aus dieser Zeit nicht vor.

 

3.5. Die Zeit von 1946- 1957 – das gesellschaftliche Leben blüht

Noch ausgeprägter als nach dem ersten, ist der Zulauf an Mitgliedern nach dem zweiten Weltkrieg. So traten nach Aufzeichnungen der Stammbücher 1946 insgesamt 14 Neumitglieder ein, 1947 waren es 8, 1948 dann 10 und 1949 schließlich 6. In den Jahren 1951 bis 1957 gingen die Neueintritte auf durchschnittlich zwei bis drei pro Jahr zurück.

Ab 1951 sind uns die Kassenberichte erhalten. Aus ihnen geht hervor, dass Tanzveranstaltungen, Weihnachtsfeiern und Faschingsbälle Haupteinnahmequellen, aber auch Hauptausgabeposten waren. 1952 ging daneben ein namhafter Betrag an Beiträgen passiver Mitglieder ein.

Im Jahre 1946 brannten auf dem Riedelshof Stall und Stadel, am 16. Oktober 1955 brach bei Otto Mayer in Kipfenberg ein Brand aus und 1957 in den Pertussin-Werken, wobei aber dort der Brand von Werksangehörigen noch vor Eintreffen der Feuerwehr gelöscht werden konnte. Ein Feuerwehrauto stand der Mannschaft zu dieser Zeit nicht zur Verfügung, lediglich ein Motorspritzenanhänger. Dieser wurde durch das Lastauto der Molkerei oder den Unimog der Burg gezogen. Für die Beförderung der Mannschaft stellten Geschäftsleute wie Martin Rieder und Norbert Wermuth ihre Lieferwägen zur Verfügung.

Ein Nachholbedarf bestand in diesen Jahren auch für die Ehrungen langjähriger Mitglieder. So wurden 1949 und 1955 jeweils elf Feuerwehrkameraden mir dem Ehrenzeichen für 25-jährigen Dienst ausgezeichnet.

 

4. Veränderungen seit 1957 – Die Stützpunktfeuerwehr mit ständig wachsendem Aufgabenbereich

4.1. Die Kommandantenzeit von Hans Frauenknecht

Mit der Wahl von Hans Frauenknecht zum 1. Kommandanten und von Leonhard Batz zu seinem Stellvertreter im Jahre 1957 begann der Ausbau der Freiwilligen Feuerwehr Kipfenberg zur stets nach den neuesten Erkenntnissen geschulten Stützpunktfeuerwehr. Noch in seinem Wahljahr besuchte Kommandant Frauenknecht zwei Lehrgänge.

1958 wurde Kipfenberg erste Stützpunktfeuerwehr im Landkreis Eichstätt und erhielt auf dessen Kosten ein neues Löschfahrzeug für 24.000 DM. Mit einer Spritzvorführung wurde es eingeweiht. Bei der Übergabe am 1. Mai 1958 erhielt Bürgermeister Balthasar Krieglmeier vom Landrat Hans Pappenberger eine Spielzeugtrompete zum Geschenk , damit er nach Eichstätt blasen könne, um Mittel für den Unterhalt des Fahrzeuges anzufordern.

Mit dem neuen LF 8 wurde auch das alte Feuerwehrhaus zu klein. Ein Neubau am Ortsende in der Kindinger Straße wurde errichtet und im Mai 1961 seiner Bestimmung übergeben.

Durch die Ausbildungsarbeit von Hans Frauenknecht stand die Feuerwehr Kipfenberg bald an der Spitze des Landkreises. 1959 wurde das erste Leistungsabzeichen in Bronze erworben, 1964 hatten drei Löschgruppen das bronzene Leistungsabzeichen, 1966 sieben Gruppen. Das erste Leistungsabzeichen in Silber erwarb eine Gruppe 1966, zwei weitere Löschgruppen erwarben es 1967. Im gleichen Jahr errang auch eine Löschgruppe aus Kipfenberg als erste in Mittelfranken das Abzeichen der Stufe 1 in Gold.

Bald schon musste die Feuerwehr Kipfenberg ihre Leistungsfähigkeit in mehreren großen Bränden unter Beweis stellen. Am 3. Juli 1960 brannten Stall und Scheune auf dem Riedelshof bis auf die Grundmauern ab. Im September des folgenden Jahres wurde die Stützpunktfeuerwehr nach Gelbelsee zum Brand zweier Scheunen gerufen. Im Februar 1963 brannte es wieder auf dem Riedelshof. Futter- und Düngemittel sowie ein umfangreicher Maschinenpark wurden ein Raub der Flammen. Am 20. Mai 1964 brach mitten in Kipfenberg ein Brand aus, ein Nebengebäude auf dem Anwesen Michele stand in Flammen. Nur viereinhalb Minuten verstrichen vom Sirenenton bis zum ersten Wasserstrahl. Im November des gleichen Jahres musste die Kipfenberger Wehr erneut ausrücken, zum Brand der Gastwirtschaft in Kemathen und im Dezember darauf zu einem Dachstuhlbrand in der Glashütte. Bei letzterem konnte durch das rasche Eingreifen der Feuerwehren Grösdorf und Kipfenberg größerer Schaden vermieden werden. In der Nacht von 30. zum 31. August 1967 geriet durch Selbstentzündung von Heu der Stadel von Josef Strauß in Kipfenberg in Brand. Von 23.30 Uhr bis morgens 6.30 Uhr waren die Feuerwehrmänner im Einsatz. Am 28. Dezember des gleichen Jahres mussten dann noch ein Dachgeschoßbrand im Wohnhaus Winter und im März 1968 der Brand eines Lagerschuppens bei Bräuherr gelöscht werden.

Am 22. Dezeber 1964 erhielt die Stützpunktfeuerwehr Kipfenberg einen Ölschadensanhänger, der für 13500 DM mit Staats- und Kreismitteln gekauft wurde. Dies führte neben einem erhöhten Übungsaufwand auch zu einer Mehrung der Einsätze. Allein 1966 fielen vier Ölschadensbekämpfungen an. 2. Kommandant Leonhard Batz absolvierte einen eigenen Kurs dafür.

Unter dem Kommandanten Hans Frauenknecht entwickelte sich die Feuerwehr Kipfenberg zur größten im Landkreis Eichstätt, die Zahl der Einsätze stieg ständig an, allein 1967 waren 7 zu verzeichnen. Dabei stand es um die Ausrüstung noch nicht zum Besten. So entstand beim Brand auf dem Riedelshof im Jahre 1960 ein Schaden an der Privatkleidung der Feuerwehrmänner in Höhe von 500 DM unter anderem deshalb, weil keine Gummistiefel für die Mannschaft zur Verfügung standen. Und noch 1966 wurde für die Beschaffung von Schutzhandschuhen nur ein Zuschuss gewährt, sie gehörten noch nicht zur selbstverständlichen Schutzausrüstung jedes Feuerwehrmannes.

Ein Anliegen Frauenknechts war es aber auch, den Feuerschutzgedanken in die Öffentlichkeit zu tragen. So wurden zur Feuerschutzwoche 1963 in Zusammenarbeit mit der Volksschule Kipfenberg ein Malwettbewerb und eine Ausstellung der Schülerarbeiten veranstaltet. In der Augustausgabe der Zeitschrift „Brandwacht“ wurde darüber sogar ein Artikel veröffentlicht.

Zu dieser Zeit hatte die Feuerwehr Kipfenberg eine große Zahl fördernder Mitglieder. Auch zahlreiche Ehrungen fielen in diese Jahre. So wurden 1958/59 fünfzehn Ehrenzeichen für 25-jährige Mitgliedschaft verliehen, für die gleiche Dienstzeit ehrte Landrat Pappenberger 1963 fünf Mitglieder und 1967 zwölf. Für 40-jährige Mitgliedschaft wurden Josef Werler, Karl Lang, Jakob Semmler, Martin Mosandl, Karl Mayer, Jakob Stummbaum, Michael König und Balthasar Krieglmeier geehrt, für 50-jährige Mitgliedschaft Leonhard Bögelein. Leonhard Bögelein und Jakob Semmler wurden 1958 zu Ehrenmitgliedern ernannt.

 

4.2. Die Kommandantenzeit von Leonhard Batz – Die Einsätze auf der Autobahn nehmen zu

Leonhard Batz, der am 22. März 1969 zum Kommandanten gewählt wurde, setzte die vorbildliche und engagierte Ausbildungsarbeit seines Vorgängers Frauenknecht fort, der 1968 noch 13 Übungen abgehalten hatte. Unter seiner Kommandantenzeit wurden, wie aus dem Protokollbuch hervorgeht, von mindestens 17 Löschgruppen Leistungsabzeichen erworben.

Zu seiner ersten großen Aufgabe gehörte es aber, zusammen mit dem Vorstand Johann Hutter, die 100-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr Kipfenberg zu organisieren, die in Verbindung mit dem zweiten Limesfest am 16. und 17. August 1969 stattfand. Landrat Pappenberger hatte die Schirmherrschaft übernommen und nahm auch die Ehrung verdienter Feuerwehrmänner vor. Der Festsonntag wurde durch einen Choral im Burghof Kipfenberg eröffnet und fand seinen Höhepunkt im Festzug. Auch das Feuerwehrgerätehaus war ganztägig zu besichtigen.

Geprägt war die Kommandantenzeit von Leonhard Batz durch die ständige Erweiterung und Modernisierung der Ausrüstung und die Zunahme der Einsätze. Im Jahre 1968 war der Spritzenanhänger TS 6 in den Besitz der Gemeinde übergegangen, die nun auch die Reparaturkosten zu übernehmen hatte. Diese mögen mit ein Anstoß gewesen sein für Überlegungen, ein neues Feuerwehrauto zu beschaffen. Außerdem hatte die Stützpunktfeuerwehr Kipfenberg einen Pulverlöschanhänger für den Einsatz auf der Autobahn erhalten, der nach einem stärkeren Zugfahrzeug verlangte und beim Brand in Erlingshofen war durch ein technisches Versagen des vorhandenen LF 8 die Einsatzfähigkeit der Kipfenberger Feuerwehr in Frage gestellt. So wurde ein neues Tanklöschfahrzeug am 11. April 1972 besichtigt.

Die Kaufentscheidung erfolgte dann schon am 3. Mai 1972 im Gemeinderat, ohne dass diese mit der Feuerwehr abgesprochen war, was zu erheblichen Unstimmigkeiten mit der Marktgemeinde führte. Als Folge davon trat die Vorstandschaft geschlossen zurück, mehrere Krisensitzungen wurden erforderlich, schließlich kam es zu Neuwahlen. Leonhard Batz ließ sich nochmals überreden, sein Kommandantenamt weiter zu versehen. Für Hans Hutter wurde Ludwig Hopfinger als neuer Vorsitzender gewählt, der das Amt bis zum Jahr 2000 ausübte und bereits 1971 gegen Hutter kandidierte. Für seine Verdienste um die Feuerwehr Kipfenberg wurde Hans Hutter 1972 zum Ehrenmitglied ernannt.

Wenn auch die aktiven Feuerwehrmänner mit dem neuen TLF 16, das am 6. Mai 1973 eingeweiht wurde, nie recht zufrieden waren, so stellte es doch für die immer zahlreicher werdenden Einsätze eine wesentliche Ausrüstungsverbesserung dar. Gab es in den Jahren vor 1974 im Durchschnitt jährlich ein bis zwei Einsätze, so waren es 1974 schon sechs und wie aus dem Protokollbuch hervorgeht fielen in den folgenden Jahren niemals weniger als fünf Einsätze an. Insgesamt musste die Feuerwehr Kipfenberg unter dem Kommandanten Batz mindestens 53-mal ausrücken, wie aus den Protokollen der Jahreshauptversammlungen zu entnehmen ist. Die Einsätze auf der Autobahn betrugen dabei gut ein Drittel.

Neben mehreren Flächen- und Waldbränden wurde die Stützpunktfeuerwehr Kipfenberg zu folgenden größeren Bränden gerufen:

1970 Glashütte Grösdorf

1972 Wohnhaus Plank Attenzell am 4. Dezember

1973 Scheune und Stallung in Krut am 1. Januar, Scheune in Ilbling, Gastzimmer Postwirt Kipfenberg

1974 Scheune in Enkering

1975 Stallung und Scheune in Altenberg am 16. Mai

1976 Scheunen in Denkendorf am 6. Februar und 2. März und in Ilbling am 18. und 21. April

Durch das neue TLF 16 war die Feuerwehr Kipfenberg auch mit Atemschutzgeräten ausgerüstet. Etliche Feuerwehrmänner unterzogen sieh der gesundheitlichen Tauglichkeitsprüfung und absolvierten die entsprechenden Lehrgänge.

1979 wurde die Funkalarmierung der Feuerwehren eingeführt. Im Jahre 1980 wurde ein Antrag auf Anschaffung eines neuen LF 8 gestellt. Auf die Erfüllung dieses Wunsches musste die Stützpunktfeuerwehr Kipfenberg aber noch einige Jahre warten.

Für 25-jährigen aktiven Feuerwehrdienst wurden während der Kommandantenzeit von Leonhard Batz 17 Mitglieder ausgezeichnet, für 40-jährige Mitgliedschaft 1979 Christian Glasser und Josef Göbel, der von 1949 bis 1981 die Kasse führte, geehrt. Bei der Fahnenweihe der Freiwilligen Feuerwehr in Böhming 1980 hatte die Feuerwehr Kipfenberg die Patenschaft übernommen.

 

4.3. Die Kommandantenzeit von Herbert Bauer – Feuerwehrhauserweiterung und neues LF 8

Schon bald nach dem Rücktritt von Leonhard Batz und der Wahl von Herbert Bauer zum Kommandanten am 2. November 1980 wurde der Plan zur Erweiterung des 1961 fertig gestellten Feuerwehrhauses gefasst. Ein Schulungsraum war längst überfällig und auch die Unterstellmöglichkeit für die Fahrzeuge war beengt. Der Anbau, mit einem Kostenaufwand von 450000DM errichtet, konnte am 29. Mai 1983 eingeweiht worden. Die Feuerwehrkameraden hatten dabei 10000DM an Eigenleistung eingebracht und sich die Teeküche eingerichtet.

Immer häufiger wurde die Feuerwehr Kipfenberg zu technischen Hilfeleistungen gerufen. Die Notwendigkeit der Beschaffung eines Rettungsspreizers und einer Rettungsschere wurde immer dringender. Eine Zeit lang hatte man der Stützpunktfeuerwehr die Bereitstellung eines Rüstwagens in Aussicht gestellt, doch diese Versprechungen erfüllten sich nicht. Außerdem hatten die Verkehrssicherheit und Einsatzfähigkeit des 1958 angeschafften Löschfahrzeuges erheblich nachgelassen. So entschloss sich die Marktgemeinde, ein neues Feuerwehrauto anzuschaffen. Dieses LF 8, mit Rettungsspreizer, Rettungsschere, Stromerzeuger und Pumpenaggregaten ausgestattet, wurde nach den Wünschen der Feuerwehrmannschaft ausgesucht. Das Fahrzeug wurde beim Herstellerwerk am 6. Dezember 1984 abgeholt. Am 19. Mai 1985 wurde das 260000 DM teure Fahrzeug, wozu die Gemeinde 90000 DM Zuschüsse erhalten hatte, mit der Feier des 115-jährigen Bestehens der Feuerwehr Kipfenberg eingeweiht.

Herbert Bauer setzte die bewährte Schulungsarbeit seiner beiden Vorgänger fort. Allein im Berichtszeitraum 1984/85 wurden 50 Übungen und Schulungsabende abgehalten. Etliche Leistungsabzeichen wurden erworben, darunter auch einige der Stufe rot-gold. Die Gesamtzahl der jährlichen Einsätze nahm weiter zu. So waren es 1983 bereits 17, wobei die technischen Hilfeleistungen immer zahlreicher wurden. Bei den Bränden überwogen Fahrzeugbrände.

An größeren Gebäudebränden waren zu verzeichnen: 1981 Scheune in Ilbling, 1982 wieder eine Scheune in Ilbling, 1983 Scheunen in Schafhausen und Pfraundorf, 1984 Schulhaus Gelbelsee.

Im Jahre 1984 wurde die Freiwillige Feuerwehr Grösdorf aufgelöst und ihre Mannschaft in Kipfenberg integriert. An sieben verdiente Feuerwehrkameraden wurde in der Kommandantenzeit von Herbert Bauer das Ehrenzeichen für 25-jährigen aktiven Feuerwehrdienst verliehen, Josef Heinz wurde 1985 für seinen 50-jährigen Dienst geehrt.

 

4.4. Die Stützpunktfeuerwehr unter Kommandant Anton Wermuth – Moderne Ausrüstung für immer mehr Einsätze und immer mehr technische Hilfeleistung.

Am 18. Oktober 1985 wurde der bis dahin stellvertretende Kommandant Anton Wermuth zum Kommandanten gewählt, Wolfgang Forster zu seinem Stellvertreter. Wolfgang Forster wurde daneben 1993 zum Kreisbrandmeister bestellt und setzt damit die mit Emil Krieglmeier (bis 1988) begonnene, von Simpert Semmler (1988 – 1993) weitergeführte, seit über 40 Jahren ununterbrochene Reihe der Kipfenberger Kreisbrandmeister fort.

Die Zeit seit 1985 ist gekennzeichnet durch die Zunahme des Anteils technischer Hilfeleistung und die Aufrüstung des Geräteparks für immer mehr und zusätzliche Aufgaben. Mit dem 1985 in Dienst genommenen neuen LF 8 hatte die Feuerwehr Kipfenberg die technischen Voraussetzungen zur Rettung eingeklemmter Personen erhalten. Sogleich wurde der fachgerechte Umgang mit Rettungsspreizer und Rettungsschere geübt. Etliche Schrottautos wurden aufgeschnitten und zurechtgebogen. Die erste Personenbefreiung unter Rettungsspreizereinsatz erfolgte dann am 17. Februar 1986 auf der Bundesautobahn. Seitdem fiel im Durchschnitt jährlich ein Einsatz mit Rettungsspreizer und Rettungsschere an.

1989 wurden erhebliche technische Mängel am nunmehr 17 Jahre alten Tanklöschfahrzeug festgestellt. Der Geräteaufbau war abgerissen. Unter Ausnützung der noch günstigen Zuschusslage entschloss sich die Marktgemeinde 1990 zur Neuanschaffung eines TLF 16/25 für 260.000 DM. Es wurde ebenso wie ein aus Feuerwehrmitteln gekauftes Mehrzweckfahrzeug mit der Fahrzeugweihe am 23. September 1990 offiziell in Dienst gestellt.

Außerdem wurden Chemieschutzanzüge und ein Gasspürgerät, mit dem man unbekannte Chemikalien, die bei einem Unfall ausgetreten sind, aus den Dämpfen in der Luft bestimmen kann, von der Gemeinde angeschafft. Glücklicherweise sind Einsätze mit diesen Ausrüstungsgegenständen sehr gering.

Des Weiteren wurde der Stützpunktfeuerwehr Kipfenberg 1993 ein Ölwehranhänger zur Verfügung gestellt, um Ölteppiche auf Gewässern, insbesondere auch auf dem nahen Main-Donau-Kanal eindämmen und beseitigen zu können. Am 26. Juni wurde er in Ingolstadt übergeben und am 25. September 1993 der Bevölkerung auf dem Marktplatz vorgestellt.

Die umfangreiche Ausrüstung  erfordert auch einen entsprechenden Übungsaufwand, um im Ernstfall optimal eingesetzt werden zu können. So werden derzeit für alle Gruppen jährlich zwölf Übungen bzw. Schulungen abgehalten, die jeweils am ersten Freitag eines Monats stattfinden. Die beiden Kommandanten können dabei auf einen zuverlässigen Stamm erfahrener Feuerwehrmänner zurückgreifen. Bedingt durch den hohen Ausbildungsstand der Kernmannschaft hat naturgemäß die Häufigkeit des Neuerwerbs von Leistungsabzeichen in den letzten Jahren etwas abgenommen.

Damit die Stützpunktfeuerwehr Kipfenberg auch in Zukunft über eine begeisterte und einsatzbereite Mannschaft verfügt, baute Oskar Krieglmeier als Jugendwart von 1990 bis 1994 eine Jugendfeuerwehrgruppe auf, für die 1994 von der Marktgemeinde Schutzanzüge beschafft werden. Durchschnittlich wurden etwa fünf Übungen pro Jahr durchgeführt. An Kreisjugendfeuerwehrtagen nahm man teil.

In der ersten sechs Jahren der Kommandantenzeit von Anton Wermuth, von 1985 bis 1991, wurde die Feuerwehr Kipfenberg zu 144 Einsätzen gerufen, im Berichtszeitraum 1991/92 zu 31, 1992/93 zu 25 und 1993/94 schließlich zu 30. Rund zwei Drittel davon waren technische Hilfeleistungen. Im Gegenzug dazu nahm die Bedeutung der Brandeinsätze ab. Zu folgenden größeren Gebäudebränden wurde die Stützpunktfeuerwehr seit 1985 gerufen: Brand in Unteremmendorf am 24. Juli 1986, Scheunenbrand Biberg am 1.Juli 1987, Scheunenbrand Pfahldorf am 13. November 1989 und Brand im Spänesilo der Schreinerei Mayer am 3. Februar 1991. Wegen der Häufigkeit der Einsätze wurde auch der Ruf nach einer stillen Alarmierung der Feuerwehrmannschaft über Funk laut. 45 Empfangsgeräte (,‚Piepser“) wurden angeschafft, jedoch gibt es noch Schwierigkeiten mit den Empfangsbereichen, so dass sich diese Art der Alarmierung erst durch einen Zusatzverstärker als ausreichend und zuverlässig erwies.

Für 25-jährigen aktiven Dienst wurden in der Kommandantenzeit von Anton Wermuth drei Wehrmänner geehrt. Ehrenkommandant Leonhard Batz, Michael Schuster und Hans Zaigler erhielten Auszeichnungen für 40-jährige Mitgliedschaft. Am 2. September 1989 erinnerte man mit einer kleinen Feier an die Gründung der Feuerwehr vor l20 Jahren. Den Faschingsball hielt man in den letzten Jahren wieder im größeren Rahmen ab und die mit dem alljährlichen Abbrennen des Johannisfeuers verbundene Feier erfreut sich bei der Bevölkerung wie bei den Feriengästen immer größerer Beliebtheit.

Im Jahre 1992 kam im Ausschuss der Freiwilligen Feuerwehr Kipfenberg der Gedanke auf, eine Fahne anzuschaffen. Ein teilweise divergierender Meinungsbildungsprozess führte schließlich zu dem Entschluss, die Feier des 125-jährigen Bestehens mit einer Fahnenweihe zu verbinden. Eine Fahne wurde in Auftrag gegeben, die auf der Vorderseite einen Blick auf die Burg Kipfenberg nach einem Entwurf von Anton Reigl und auf der Rückseite den Heiligen Florian mit der Georgskirche zeigt.

Am 20. November 1993 erfolgte die Gründung des gemeinnützig tätigen Feuerwehrvereins, der es sich zur Aufgabe macht, die freiwillige Feuerwehr Kipfenberg zu unterstützen und für sie Einsatzkräfte zu werben und zu stellen. 52 Gründungsmitglieder traten ihm bei, Ludwig Hopfinger wurde zum ersten, Egbert Platzer zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Die Satzung wurde am 21. Februar 1994 in das Vereinsregister des Amtsgerichts Ingolstadt eingetragen. Eine klare Trennung zwischen der Feuerwehr als Pflichteinrichtung der Gemeinde und den gesellschaftlichen Aktivitäten der Feuerwehr war dadurch vollzogen. Für die Feierlichkeiten anlässlich des 125-jährigen Gründungsjubiläums und für die Fahnenweihe tritt der Feuerwehrverein „Freiwillige Feuerwehr Kipfenberg gegr. 1869 e.V.“ als Veranstalter auf.

Durch die großzügigen Spenden vieler Bürgerinnen und Bürger konnte die Fahne finanziert werden. Ihnen sei an dieser Stelle Dank gesagt. Möge ihnen in Zukunft auch dadurch der Dank abgestattet werden, dass sich weiterhin junge Mitbürger für den Dienst an der Allgemeinheit in der Freiwilligen Feuerwehr Kipfenberg finden.

 

4.5. Die Kommandantenzeit unter Hans-Jürgen Merkl – Weiterer Ausbau der Stützpunktfeuerwehr mit der Anschaffung kleinerer Einsatzfahrzeuge und Neubau eines neuen Feuerwehrgerätehauses.

Von 1997 bis 2009 führte Hans-Jürgen Merkl die Feuerwehr. Unterstützt wurde der Kommandant bis 2003 von Ingo Winkler, von 2003 bis 2009 von Christian Forster als dessen Stellvertreter. Vordringlichste Aufgabe des neuen Kommandanten war es, die begonnenen Planungen für ein neues Feuerwehrgerätehaus voranzutreiben. Ab dem Jahr 2000, wurde nach einer Standortanalyse durch die Marktgemeinde, der von den Aktiven bevorzugte Standort für das neue Gerätehaus festgelegt. Nach einem schleppenden Baubeginn, die Gemeinde hat keinen offiziellen Spatenstich und Brotzeit organisiert, und einigen Unterbrechungen, konnte am 04. und 05. Juni 2005 das neue Feuerwehrgerätehaus seiner Bestimmung übergeben werden.

Durch weiter steigende Einsätze und Versorgungsfahrten wurde zwischenzeitlich 2001ein Einsatzleitfahrzeug, ein gebrauchter VW Passat, durch den Feuerwehrverein angeschafft und umgebaut. Damit konnten auch die jungen Feuerwehrdienstleistenden ein Feuerwehrfahrzeug bewegen, da durch eine neue Führerscheinregelung der Klasse B das zulässige Gesamtgewicht auf 3,5 t reduziert wurde. Das betagte Fahrzeug wird auch heute noch zu Weiterbildungs- und Lehrgangsfahrten genutzt.

Zum 01.04.2004 wurde Wolfgang Forster vom Kreisbrandmeister zum Kreisbrandinspektor ernannt. Am 25.09.2009 hat der weiter in der FFW Kipfenberg aktive KBI das Feuerwehr-Ehrenzeichen „Steckkreuz“ für hervorragende Verdienste um das Feuerlöschwesen erhalten.

Durch den Neubau einer ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Nürnberg und Ingolstadt, 3 längere Tunnels (Euerwanger-, Irlahüll- und Denkendorftunnel) wurden durch den fränkischen Jura getrieben, erweiterte sich das Aufgabengebiet der Kipfenberger Feuerwehr erheblich. Bereits während der Bauphase die erst 2006 beendet wurden, war die Feuerwehr in Notpläne eingebunden. Durch die Tunnelbaustellen wurde die Feuerwehr mit Langzeitatmern ausgestattet, die die Einsatzzeiten unter schweren Atemschutz nahezu verdoppelt haben. Nach einer Großübung im Euerwangertunnel im Mai 2006 wurde die Hochgeschwindigkeitsstrecke ab 10.12.2006 vollständig in Betrieb genommen.

An der Rückseite des Feuerwehrgerätehauses wurde am 18.04.2007 die ICE-Übungsanlage des Landkreises Eichstätt übergeben.

Im Jahr 2006 hat die Feuerwehr Kipfenberg eine neue Ölsperre erhalten. Um die Sperre lagern und transportieren zu können wurden ein eigener Anhänger nach den Vorgaben der Feuerwehr gebaut.

Ein neuer Ford Transit Bus, wurde durch die Gemeinde und dem Feuerwehrverein beschafft. Nach den Vorstellungen der Feuerwehr wurde es zu einem Mehrzweckfahrzeug ausgebaut und 2007 in Dienst gestellt. Damit konnte der ehemalige 32 Jahre alte Mannschaftsbus den man 1990 von der Bereitschaftspolizei erhalten hatte, abgegeben werden.

Der Feuerwehrverein hat die Anschaffung für einen Mannschaftsbus übernommen. Der Gemeinde sind lediglich die Kosten für Funk und Signalanlage entstanden. Am 25.05.2008 bekam das Fahrzeug seinen kirchlichen Segen.

2008 wurde die alarmierende Stelle von der Polizeiinspektion Beilngries abgegeben und von der neuen Integrierten Leitstelle Ingolstadt, zuständig für die Landkreise Eichstätt, Ingolstadt, Neuburg/Schrobenhausen und Pfaffenhofen übernommen.

Konnte man am 25. August 2008 den 80. Geburtstag unseres ehemaligen Vereinsvorstandes Ludwig Hopfinger feiern, verstarb unser Ehrenvorsitzenden am 28. November 2008. Der Ehrenvorsitz wurde ihm im Jahr 2000 verliehen, als er das Amt nach 28 Jahren an Thomas Straus abgegeben hat.

 

Bei den Wahlen des Feuerwehrkommandanten und stellvertretenden Feuerwehrkommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Kipfenberg am 31.10.2009 in Grösdorf wurde der bisherige Stellvertreter Christian Forster zum 1. Kdt. und Stefan Gerich zu seinem Stellvertreter gewählt.

Wir wünschen unserer neuen Führungsmannschaft, Glück und Weitsicht, getreu dem Wahlspruch:

„Gott zur Ehr‘ – dem Nächsten zur Wehr!“